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Heil und Kunst : Die Märchentherapie

Krankheit ist nicht rachsüchtig und nicht grausam. Sie ist vielmehr ein Mittel, dessen sich unsere Seele bedient um uns auf Fehler hinzuweisen und uns davor zu bewahren, noch größeren Irrtümern zu verfallen. Krankheit will uns wieder auf den Weg zurückzuführen, den wir nie hätten verlassen sollen : den Weg des Lebens und unseres Lebensziels. 

Dr. Edward Bach 

Krank sein heißt, dass sich die im Fluss befindliche Ordnung des Lebensmusters in einen Zustand der Stockung  und Verwirrung verschoben hat. Disharmonie ist entstanden und der Lebensfluss ist blockiert.

Krankheit als Weg

Im Frühjahr 2020 war der Beginn der Pandemie, die unser aller Leben verändern würde. Ganz plötzlich veränderte sich auch mein Leben als ich an dem Virus erkrankte. Wie krank ich allerdings wirklich war, verstand ich erst allmählich.  Es mussten dazu sehr viele Monate vergehen, ehe ich die ganze Tragweite und die Folgen der Erkrankung erkannte.

In meinem Leben, meinem ganzen Sein, Denken und Tun war nichts mehr wie es einmal gewesen war. Und dies auf allen Ebenen: geistig und körperlich – mental und psychisch. Lange Zeit kämpfte ich mit all der Kraft, die ich noch hatte, gegen diese Veränderung an.
Doch nach über einem Jahr begann ich allmählich, diese Veränderungen zu akzeptieren, anzunehmen und meine Energie zu nutzen, mit den mir noch verbliebenen Ressourcen zu arbeiten. Ich begann einen Weg für mich zu suchen, der ein neues und erfüllendes Lebensziel bereithalten könnte. Meine Arbeit als Geschichtenerzähler und auch die Geschichten selbst dienten mir dabei als Kompass und waren ein wesentlicher Bestandteil in meinem Gesundungsprozess.

Aber die Rekonvaleszenz gelang mir nicht allein und natürlich war dieser Prozess alles andere als einfach. Ich hatte einen ganzen Therapeutenstab, der mich in allen möglichen und unmöglichen Bereichen coachte. 
Noch einmal an dieser Stelle ein herzlicher Dank an alle,
die mir auf meinem Weg als Helfer, Berater und Impulsgeber zur Seite standen und noch stehen. 

Heil werden ist ein innerer Vorgang. Wenn wir un-heil sind, befinden uns nicht mehr im Gleichgewicht. Heilung ist meines Erachtens nach ein Vorgang, der Ausgewogenheit und Harmonie wieder herstellt.

Mit meiner Genesung heilten auch noch andere Dinge in mir,
hauptsächlich in meinem Kopf:
meine Glaubenssätze und Sichtweisen.
Erst nach vielen vielen Monaten
begann sich auch ganz allmählich die körperlichen Ebene
mit ihren Symptomen der Krankheit zu verändern.
So lernte ich das Wesen einer Krankheit kennen –
nicht nur theoretisch
wie einst in meiner Ausbildung als Krankenschwester
– sondern mit all den Schwierigkeiten und Unwegsamkeiten,
mit dem ständigen Schwanken zwischen
Hoffnung und Motivation und der Resignation.
So durfte ich nicht nur ein persönliches Verständnis für die Krankheit lernen, sondern konnte zugleich auch ein Konzept entwickeln um damit umzugehen.

Dieses Konzept entspricht meiner Persönlichkeit und war zudem mein ganz individueller Verarbeitungsprozess all der Veränderungen, die durch diese Erkrankung ausgelöst wurden. So entstand mein ganz persönlicher Ansatz
der Heil – Kunst – die Märchentherapie. Hier folgt ein kurzer Einblick in meinen Ansatz für das Konzept einer Methodik mittels Märchentherapie wieder in die Balance zu kommen / heil zu werden :

Die Analogie der Märchen

Die Sprache der Märchen ist eine sehr bildhafte. In der Psychologie nennt man sie die Metasprache der Märchensymbolik . Meta kommt aus dem Griechischen und bedeutet unter anderem so viel wie ” hinter / über“.

Das heißt also, Märchen sprechen immer in Bildern – das ist die Sprache des Unbewussten. Die Sprache des Bewusstseins sind Worte. Therapeutisches erzählen wird dort eingesetzt, wo man über rationale Ansätze nicht mehr weiterkommt und Blockaden über den Verstand nicht aufzulösen vermag.

Deutung und Be- Deutung


In der Symbolsprache der Märchen ist die Welt das Universum, unser Wohnort und unser Innenleben zugleich. Diese drei Ebenen hängen miteinander zusammen und sind im Märchen miteinander verknüpft. Darum ist ein Märchen in der Lage, Ordnung in ein Chaos zu bringen und das Gleichgewicht zwischen außen und innen wieder her zu stellen. 

Das Rätsel allerdings muss dazu der Zuhörer lösen. Er muss seine eigene Situation entschlüsseln und sein inneres Gleichgewicht wieder herstellen. 
Die Energie, die zur Entschlüsselung aufgewendet wird, ist Teil des Wiederherstellungsprozesses, der zur inneren Ausgeglichenheit und Harmonie führt.
Jeder Mensch erlebt eine Krise auf seine Weise. Aber alle Krisen haben eines gemeinsam: Sie bringen uns aus dem Gleichgewicht – körperlich, seelisch und / oder geistig. 

Der Verlust des Gleichgewichtes ist in den Märchen immer ein Thema. In einem bislang gut funktionierenden System verändern sich die Dinge plötzlich und laufen nicht mehr so wie bisher. Jemand gerät in Gefahr, etwas verschwindet – das Gleichgewicht ist dahin. In den Märchen hat man das Leben nicht unter Kontrolle.
Ein ” Held”kämpft dafür, das verlorene Gleichgewicht wieder herzustellen. Damit findet er heraus, wie man glücklich leben kann. Auf seinem Weg findet er Glück, Liebe, Erfolg und Gesundheit und vor allem Vertrauen in sich selbst.

In den Märchen bleiben nur ” falsche Helden “unglücklich. Sie kommen nicht voran und scheitern an den Prüfungen weil sie keine Ausdauer, Kraft, Disziplin oder Geduld haben. Sie ergreifen meist die Flucht, weichen Herausforderungen aus oder erstarren zu Stein und verweigern sich damit den Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Sie können sich nicht weiter entwickeln nicht entfalten und kommen darum auf ihrem Weg nicht weiter. 

Geschichten und Märchen als Kompass

Um ein Märchen zu einer Entwicklung zu nutzen, müssen wir uns immer selbst darin finden. Die wichtigste Frage ist aber nicht, mit welche Figur wir uns identifizieren, sondern wo wir uns in der Geschichte sehen. 

An welchem Schauplatz erkennen wir uns wieder? 

Warum sind wir gerade dort? 

Was haben wir gelernt? 

Was machen wir da? 

Aus diesen Antworten kann sich ergeben, dass wir früher einmal vielleicht in die falsche Richtung aufgebrochen sind und  das dies der Grund für unser Problem ist.  Vielleicht haben wir aber auch die falsche Mittel gewählt um das Ziel zu erreichen, Gegenspieler mit Hilfe verwechselt oder einfach die falsche Technik gewählt. 

In den Märchen gibt es für jede Situation eine Lösungsschlüssel. Um ihn zu erkennen, muss man herausfinden, wie was funktioniert und was man wie benutzen kann. 

Was könnte jenseits des unmittelbar sichtbaren verborgen sein? 

Die heilende Wirkung der Märchen basiert nicht auf der bloßen Interpretation der Geschichten. Die Gedanken wollen verwirklicht und praktisch auch gelebt werden. 
Das Märchen aktiviert die Bereitschaft zum Handeln. Wir können die Märchen um Hilfe bitten, doch den Ausweg aus unserem Problem müssen wir selbst finden. Die entscheidende Frage ist: werden wir ein wirklicher Held oder ein falscher Held? 

Ein Held ist derjenige, der sich im Gleichgewicht befindet und dafür sorgt, dass so viel im Innen wie im Außen vorhanden ist, wie zu einem harmonischen Dasein benötigt wird. 

Unterschiedliche Ansätze in den Kulturen

Die Märchen enthalten Lehren über universale menschliche Werte. Doch um ein Märchen deuten zu können, muss man das Weltbild dahinter kennen – also den Glauben oder Aberglauben der Kultur, aus dem die Märchen entstammen. Das ist auch der Grund, warum abendländische und orientalische Märchen unterschiedliche therapeutische Wirkung haben. 

Die Helden im Abendland sind ständig gezwungen, zu handeln.
Das ist einerseits sehr anstrengend, andererseits aber auch sehr wirkungsvoll, denn sie unternehmen konkrete praktische Schritte. Sie lassen nicht zu, dass sich die Dinge von selbst erledigen und übernehmen die Verantwortung für sich und andere. Sie sind ständig unterwegs und auf der Suche. 

Im Gegensatz dazu akzeptieren die orientalischen Märchenhelden ihr Schicksal.
Zu ihrer Lebensanschauung gehört, dass man an einem einzigen Ort alles finden kann, was man braucht –
wenn sich der Blick einem tieferen Erkennen der Dinge öffnet. 

Die abendländischen Märchen können effektiv dabei helfen, ins Handeln zu kommen,
die orientalischen Märchen sind hilfreich, wenn es darum geht, etwas zu akzeptieren.

Reduktion von Komplexität

Das Phänomen „Stress“ gehört inzwischen zum Alltag der Moderne und obgleich er durchaus positive Auswirkungen haben kann, leiden die meisten Menschen unter den negativen Folgen des Stresses, da sie nicht selten zu körperlichen oder seelischen Erkrankungen führen.
Stress entwickelt aus einer Kombination von Lebens- und Arbeitsbedingungen und – im Sinne einer Reaktion auf diese – den (unangemessenen) Emotionen eines Individuums.
So stellt sich primär die Frage, wie wir einen gesunden Umgang mit den eigenen Emotionen sowie den daraus resultierenden Begierden und Wünschen entwickeln können. 
Und genau hier setzt die Märchentherapie an.

Was ist Märchentherapie?

Therapeutisches Erzählen kann individuell stimmige Wege zur Lösung krankmachender Blockaden aufzeigen. Märchentherapie geht davon aus, dass Märchen in symbolisch verschlüsselter Form von inneren Prozessen erzählen, die alle Menschen im Laufe ihres Lebens durchleben und kann somit Lösungsmuster für die inneren Konflikte anbieten. Dabei ist die Klärung der inneren Prozesse das zu erreichende Ziel.

Meine Methode ist eine Kombination verschiedener Bereiche, die beim therapeutischen Erzählen miteinander verbunden werden. Die Basis bilden natürlich Geschichten zur Ressilienzförderung , die zudem Lösungsmuster für innere Konflikte anbieten.

Die assoziative Arbeit mit den Bildern dieser Geschichten beruht auf einer Kombination verschiedener Methoden einer achtsamkeitsbasierten Stressreduktion mit Elementen aus Meditation, autogenem Training, Klängen, Achtsamkeitsübungen und Kreativübungen. Sie ist bei Gruppenarbeit als auch in Einzelsitzungen anzuwenden.